Daniel Berset

Daniel Berset, Jg. 1953, hat bereits zahlreiche Preise und Stipendien erhalten, darunter das Eidgenössische Kunststipendium. Der Stuhl taucht in seinen Werken als Leitgedanke immer wieder auf. Mit Werken wie „Mon Creux“, „Mae de Agua“ etc. hinterfragt er seit 1990 bis heute immer wieder die Beziehung zum Sockel. 1997 kreierte er Broken Chair, der rasch zu einer Symbolfigur des Place des Nations vor dem Palais des Nations in Genf geworden ist.

Der Stuhl verkörpert einen Akt der Zivilisation, eine Art, von den Menschen zu sprechen, ohne sie zu zeigen! Oder wie die Buddhisten sagen: Wenn der Weise mit dem Finger auf den Mond zeigt, schauen die Menschen den Finger an.

Ich arbeite seit den 1980er Jahren am Stuhl-Thema. Der Stuhl ist für uns alle ein vertrauter Haushaltsgegenstand. 1987 ist mir nach einer Reihe von Studien ein Entwurf eines Prototyps von diesem Möbelstück gelungen, der keiner Mode unterworfen ist. Was er über seine Funktion und Ästhetik hinaus darstellt, ist komplexer, als es den Anschein hat. Der Stuhl ist ein Objekt der Bequemlichkeit, der Geselligkeit, aber auch der Macht. Als ich mit Handicap International an diesem Projekt arbeitete, schien es uns wesentlich, die Gewalt nicht direkt zu zeigen, sondern sie nur anzudeuten. Mich interessiert die Symbolik. In der Kunst gibt es nichts Gefährlicheres als die Anekdote. Wir werden heute von Gewaltbildern bombardiert, sie treffen uns mitten ins Gesicht. Nach dem emotionalen Schock schirmt man sich ab und vergisst. Die nur angedeutete Gewalt ermöglicht es uns, nachzudenken. Ich hätte nie gedacht, dass diese Skulptur derart irritieren würde! Aber sie hat sehr viel mehr Unterstützung als Ablehnung erfahren. Jedenfalls denke ich nicht, dass man sie anderswo als im Umkreis der Place des Nations aufstellen kann. Sie war für diesen Platz gedacht und vorgesehen. Würde sie anderswo nicht zu einem Dekorationsobjekt?

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